Nach dem amerikanischen Biologen David G. Haskell sind Flechten im Winter, wenn sich das pflanzliche Leben sonst allgemein zurückgezogen hat, „... das strahlende Leben – dank einer geschmeidigen Physiologie“. In der kalten Jahreszeit überleben sie dank der erstaunlichen Kunst des Loslassens.

Farbkleider für Felsen
Flechten sind eine Art Amalgam aus Pilz und Alge bzw. Bakterie. Während der Pilz das gemeinsame Ehebett mit seinem Fadenge- spinst auf dem Untergrund bereitet, nisten sich Algen oder Bakterien in seine Fäden ein und bilden dank der Sonnenenergie vor allen Dingen Zucker und andere schmackhafte Moleküle. Wie das aber in den meisten Ehen so ist, verändert das Zusammenleben die Partner. Der Pilz macht sich breit und entwickelt eine blattähnliche Struktur mit einer nach außen hin schützenden Kruste, in der sich die lichtsammelnden Algen mit winzigen Atemporen breitmachen können. Die Algen verlieren ihre Zellwände und geben ihre Selbstständigkeit auf. Flechten quellen bei Feuchtigkeit auf und schrumpeln bei Trockenheit. Während die meisten Pflanzen den Winter verschlafen, sind Flechten ständig im Standby-Modus. Sobald der Winter eine kurze Pause einlegt, kehren sie unvermittelt ins Leben zurück. Die unterschiedlichen Farben sind ein Resultat der Vielfalt der Algen und Bakterien. Blaue und violette Flechten enthalten blaugrüne Bakterien, sogenannte Cyanobakterien. Grüne Flechten enthalten Algen. Nun mischen Pilze noch eigene Farben dazu, indem sie gelbe oder silberne Sonnenschutzpigmente absondern. Man sollte diesen seit Millionen von Jahren unsere Erde bereichernden Überlebenskünstlern etwas Aufmerksamkeit schenken. Eine Lupe für einen Blick in das Geheimnis der Algenzellen mit ihren Sonnenfängerpigmenten und Miniaturkraftwerken, den Mitochondrien, ist hilfreich. Faszinierend!

Die Kraft Gottes?
Anfang des 17. Jhs. schien der berühmte Astronom und Mathematiker Johannes Kepler schier zu verzweifeln. Er sinnierte 1611 über die Gründe für die Regelma?ßigkeit der sechseckigen Schneeflocken, die vom Himmel segelten. „Da jedes Mal, sooft es zu schneien beginnt, jene ersten Elemente des Schnees die Form sechsstrahliger Sternchen aufweisen, so muss eine bestimmte Ursache vorhanden sein.“ Während Kepler resigniert Gottes „gestaltende“ Seele bemühte, wissen wir heute, dass es mit dem Verhalten von Sauerstoff- und Wasserstoffatomen zu tun hat. So ordnen sich Wassermoleküle immer im Sechseckrhythmus an. Wenn also Eiskristalle wachsen, entwickelt sich die zugrundeliegende Sechseckform der Schneeflocken immer weiter. Je trockener und kälter die Luft, umso scharfkantiger ist das Sechseckprofil, und es entsteht eine Prismenform. Bei steigenden Temperaturen ist das Wachstum der Kristalle instabiler, „...aber offenbar gefriert Wasserdampf an manchen Eiskristallkanten schneller als an anderen, und schon geringe Veränderungen in den Luftbedingungen können die Anlagerungsgeschwindigkeit wesentlich beeinflussen.“ Es heißt, dass die Grönländer über 100 verschiedene Begriffe für Schnee kennen, wobei die Dichte, die Feuchtigkeit, die Farbe oder das Alter eine Rolle spielen. Für den Naturbeobachter ist der aufregendste Moment, eine Tour in den noch jungfräulichen Schnee. Wenn sich augenblicklich, sogar in Großstädten, ein gigantischer Schallschutz über das Land legt und sich selbst das eigene Gehgeräusch, das vorbeifahrende Auto oder das Geräusch eines in der Ferne vorbeirollenden Zuges wie schallgedämpft anhören. Atemberaubend, wie die weiße Pracht mit den Konturen und Formen spielt. Jeder noch so kleine Zweig trägt eine weiße Haube, im Grau des abziehenden Schneefallgebiets hebt sich alles Lebendige als schwarzes oder dunkelgraues Geflecht, bedeckt mit einer nahezu bizarr filigranen Neuschneeauflage, vom Himmel ab. Diese Stunden, in denen man das Privileg hat, erste Spuren zu legen, sind unvergesslich.

Piepmätze sind Kältespezialisten
Was erlaubt den wenige Gramm leichten, oft nur wollknäuelgroßen Meisen in meinem Garten ein Überleben in eisiger Kälte? Während ich mich mit drei oder vier Isolierschichten gegen die kriechende Winterkälte zu wappnen versuche, sitzen da drei Kohlmeisen und eine Blaumeise anscheinend vergnügt in meinem Garten und balgen sich um den Platz am Vogelhaus. „Kleine Tiere kühlen eigentlich schneller aus, weil ihre Körper im Verhältnis viel mehr Oberfläche als Volumen besitzen.“ Meine Meisen verdanken ihre Widerstandskraft dem kälteisolierenden Gefieder. Während ich meine nackte Haut bedecken muss, wird ihr glattes Federkleid durch versteckte Daunenfedern förmlich aufgebauscht. Daunen bestehen aus vielen tausend dünnen Proteinsträngen. Dadurch bilden die winzigen Härchen einen federleichten, isolierenden Flaum, der die Wärme hervorragend speichert. Im Winter verdoppeln die Vögel ihr Federkleid und steigern damit die Isolationsfähigkeit. Darüber hinaus spannen sie an kalten Tagen die Muskeln unter dem Gefieder an, wir beobachten tatsächlich das „Aufplustern“, und sie verdoppeln dadurch den Kälteschutz. Während der Mensch mit dem Zittern und Schlottern der Muskulatur das Absinken der Körperkerntemperatur zu verhindern sucht, nutzen unsere Piepmätze die Muskeln als Wärmepumpen. Sie lassen bei Inaktivität die Muskulatur, besonders die Flugmuskelpakete in der Brust, erzittern und produzieren damit Wärme. Man sollte wissen, dass so ein Vögelchen im Schnitt an einem Wintertag 15 Kilokalorien für den Lebenserhalt benötigt. Ein ölgetränkter Sonnenblumenkern bringt da gerade einmal 250 Kalorien. Unsere Meisen müssen also Hunderte von Futterbröckchen im froststarren Winterwald finden. Während das menschliche Auge beim Blick auf kahle Bäume, braune Äcker und über stumpfes Gras nichts wirklich „Essbares“ erkennen kann, sind Meisen mit einem ultravioletten Farbrezeptor ausgestattet. Sie sehen vier Primärfarben und elf Kombinationen. „Meisen leben in einer farbenprächtigen Hyperrealität...“ und nutzen diese Fähigkeit bei der täglichen Futtersuche. Es ist daher interessant, dem Treiben der Piepmätze mal über eine längere Zeit zuzuschauen.

Spurensuche – Blicke in den Himmel
Viele heimische Tiere sind weder in südliche Gefilde abgereist noch halten sie einen Winterschlaf. Sobald Schnee liegt, hinterlassen sie daher Spuren ihrer temporären Anwesenheit. Ob Katze, Dachs, Reh oder Fuchs lässt sich an den Umrissen des sogenannten „Trittsiegels“ ablesen. Aber auch ohne Schneeauflage lohnt der Blick auf den Boden. Da liegen letzte rostrote Blätter, Eicheln, Bucheckern, vom Wind verwehte Ahornhubschrauber oder Nüsse am Boden. Jetzt ist auch die beste Zeit, um die gefurchte Rinde einer Stieleiche zu bestaunen. Wie glatt und längsgestreift ist hingegen die glatte Rinde einer Hainbuche. Interessant ist jetzt auch die Altersbestimmung des Waldnachwuchses. So wird die weiche Zweigrinde immer wieder durch feine Reifen unterbrochen. Es sind die Narben der Knospenschuppen, die der Baum als Abdeckung gegen Frostscha?- den bildet. „Die Anstrengungen des Baumes zum Schutz seiner wachsenden Triebe sind als Zeugnis der Vergangenheit in die Rinde eingeritzt: als jährlicher Narbenring.“ Die Zahl dieser armreifenähnlichen Ringe steht für das Alter und der Abstand für das Wachstum im jeweiligen Jahr. So entschlüsselt man etwa in einem Hallenbuchenwald, dass die scheinbar blutjungen Buchenschösslinge bereits 70 – 80 und mehr Jahre auf dem Buckel haben und nur darauf warten, dass Licht kommen möge, um sich endlich in die Höhe schrauben zu können. Eine andere Spurensuche, die unabhängig vom Schnee ist, bietet das Studium des winterlichen Nachthimmels. Die Wintersternenbilder werden vom Orion, vom Stier, dem rötlich leuchtenden Aldebaran, dem Sternbild des Krebses oder dem Großen Hund geprägt. Die Milchstraße ist im Winter weniger beeindruckend, da wir in dieser Zeit zum äußeren Rand des Milchstraßensystems schauen, wo die Sternendichte deutlich geringer ist. Auch der Große Wagen drängt sich jetzt nicht auf, der im Norden seine tiefste Stellung eingenommen hat und gegen Winterende langsam allmählich wieder nach oben steigt. Man muss also nicht aufregende Begegnungen von der Art unseres Fotografen Klaus-Peter Kappest haben, der, lediglich getrennt durch eine Schiffsluke, die seltene Chance hatte, in die Iris eines Eisbären zu blicken, Naturerlebnisse der anregenden und aufregenden Art gibt es überall. Ob mit oder ohne Schnee.


Tipps für die richtige Winterfütterung von Vögeln:
1. Typischerweise füttert man von Novem- ber bis Ende Februar. Bei Frost oder Schnee werden besonders viele Vögel das Angebot annehmen.

2. Wählen Sie Futterspender (Futtersilos), bei denen die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können. Auf diese Weise minimieren Sie die Übertragung und Ausbreitung von Krankheitserregern. Außerdem verdirbt darin das Futter nicht. Futterspender müssen so gebaut und angebracht werden, dass das Futter auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässt werden kann, da es sonst verdirbt oder vereist. Geeignete Futtersilos sind „wartungsfrei“.

3. Herkömmliche Futterhäuschen bitte regelma?ßig mit heißem Wasser reinigen und wenig Futter nachlegen. Aus hygienischen Gründen sollte man beim Reinigen Handschuhe tragen.

4. Platzieren Sie Futterspender an einer übersichtlichen Stelle, sodass sich keine Katzen anschleichen und Sie gleichzeitig die Vögel gut beobachten können. In einem angemessenen Abstand sollten jedoch nach Möglichkeit Bäume oder Büsche Deckung bei eventuellen Attacken von Sperbern bieten. Achten Sie darauf, dass in der Nähe befindliche Glasscheiben für die Vögel nicht zu tödlichen Fallen werden.

5. Die häufigsten Körnerfresser an Ihrer Futterstelle sind Meisen, Finken und Sperlinge. Sie lieben Sonnenblumenkerne. Wenn sie ungeschält sind, ist die Verweildauer der Vögel auch länger. Bei uns überwintern daneben auch Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Amseln, Wacholderdrosseln oder Zaunkönig. Für sie kann man Rosinen, Obst, Haferflocken und Kleie in Bodennähe anbieten. Dabei ist darauf zu achten, dass dieses Futter nicht verdirbt. Es gibt spezielle Bodenfutterspender, die sich dafür besonders eignen. Insbesondere Meisen lieben auch Gemische aus Fett und Samen, die man selbst herstellen oder als Meisenknödel kaufen kann.

chtung: Achten Sie beim Kauf von Meisenknödeln und ähnlichen Produkten darauf, dass diese nicht, wie leider noch häufig üblich, in Plastiknetzen eingewickelt sind. Vögel können sich mit ihren Beinen darin verheddern und schwer verletzen.

Quelle: Nabu